Mein Vortrag „Frühwarnsystem aus der Luft" beim ACKERVISION-Drohnenvormittag

Am 29.09.2026 habe ich beim DLR-Drohnenvormittag „ACKERVISION" am Queckbrunnerhof über multispektrale Drohnenbefliegung im Gemüsebau gesprochen – von der Technik hinter NDVI und NDRE bis zur fertigen Applikationskarte.

Landwirtschaftsdrohne im Schwebeflug über Gemüsebau-Versuchsflächen am Queckbrunnerhof

Unter dem Titel „Frühwarnsystem aus der Luft" habe ich gezeigt, wie sich Pflanzenstress im Gemüsebau sichtbar machen lässt, bevor er im Bestand mit bloßem Auge auffällt – und was Betriebe konkret damit anfangen können.

Warum Pflanzenstress oft zu spät auffällt

Trockenstress und Nährstoffmangel wirken oft schon Tage bis Wochen, bevor sich ein Blatt sichtbar verfärbt. Krankheits- und Schädlingsbefall breitet sich zudem meist zonal aus – nicht gleichmäßig über den ganzen Schlag. Im Gemüsebau kommt erschwerend hinzu: Die Erntefenster sind eng, für eine ausführliche Feldbegehung bleibt oft wenig Zeit. Der Nahinfrarot-Bereich, den unser Auge nicht wahrnimmt, zeigt Stress dagegen schon ein bis zwei Wochen früher an als das sichtbare Licht.

Die Technik: NDVI und NDRE

Kern des Vortrags war die Multispektralkamera unserer DJI Mavic 3M, die neben RGB vier zusätzliche Kanäle aufzeichnet. Daraus berechnen wir zwei Vegetationsindizes:

  • NDVI (Normalized Difference Vegetation Index) – zeigt Biomasse und allgemeine Vitalität, ein guter erster Überblick über den Bestand.
  • NDRE (Normalized Difference Red Edge Index) – reagiert empfindlicher auf frühen Stress und die Stickstoffversorgung als NDVI.

Vom Feld zur Handlungsempfehlung

Der Ablauf in vier Schritten: Planung (Schlag erfassen, Flugroute und Auflösung festlegen), Befliegung (automatisierter Flug mit der Mavic 3M, ca. 15–25 Minuten je Hektar), Auswertung (Orthomosaik und Vegetationsindizes werden berechnet) und schließlich der Bericht mit Karten, Interpretation und konkreter Empfehlung je Teilfläche.

Praxisbeispiele aus dem Gemüsebau

Bunte Salate (≈ 50 ha): Viele Sorten mit unterschiedlichen Wachstumsstadien und Wasserbedarf auf engem Raum lassen sich per Augenschein kaum flächendeckend beurteilen. Regelmäßige Befliegung während der Saison und der Abgleich der Vitalitätskarten mit dem Bewässerungsplan ermöglichen gezielte statt pauschale Bewässerung und frühzeitiges Eingreifen in Randzonen.

Erbsen (≈ 30 ha): Kurze Kulturzeit, enges Erntefenster – Entscheidungen müssen schnell fallen. Eine kurzfristige Statusbefliegung vor der geplanten Ernte macht Mangelerscheinungen und unregelmäßigen Aufwuchs sichtbar, bevor sie die Erntequalität beeinträchtigen.

Was Drohnen dürfen – und was (noch) nicht

Ein Punkt war mir besonders wichtig: In Deutschland gibt es derzeit keine allgemeine Zulassung für die Ausbringung von chemischen Pflanzenschutzmitteln per Drohne im Gemüsebau, Einzelgenehmigungen sind eng begrenzt und einzelfallabhängig. Mein Vortrag behandelte daher bewusst das Monitoring, nicht die Ausbringung – und Monitoring & Kartierung sind schon heute uneingeschränkt im Einsatz. Sie liefern die Datengrundlage, um Pflanzenschutz- und Düngemitteleinsatz gezielt statt flächig zu planen.

Von der Karte zur Einsparung

Mit einer Applikationskarte lässt sich Pflanzenschutz teilflächenspezifisch planen: Der Bedarf ist schon vor der Ausbringung bekannt, mehrere Felder lassen sich in einer Tour kombinieren, der Tank exakt befüllen. In einer Beispielrechnung mit drei Feldern (16,7 ha, Bedarf 651–1.476 l je Feld) zeigt das den Unterschied deutlich: ohne Karte üblicherweise drei Ausfahrten mit voll beladenem 4.000-l-Tank „zur Sicherheit", mit Karte eine einzige Ausfahrt mit exakt kalkulierten 2.937 l – keine Restmengen, kein unnötiges Gewicht, eine klar kalkulierbare Einsatzzeit.

Der Nutzen für Betriebe

  • Früh erkennen – Stress sichtbar machen, bevor er zum Ertragsverlust wird
  • Ressourcen sparen – Wasser und Dünger dort einsetzen, wo sie gebraucht werden
  • Zeit sparen – ganze Schläge in Minuten statt Stunden erfassen
  • Dokumentation – nachvollziehbare Grundlage für Beratung und Nachweise
  • Ernte planen – Reifegrad und Wachstumsunterschiede je Teilfläche erkennen
  • Qualität sichern – gezielt eingreifen, bevor die Erntequalität leidet

Im Anschluss an die Vorträge ging es mit einer Praxisvorführung der Mavic 3M direkt ins Feld – gemeinsam mit Florian Wahl von Skylyse, der die Kombination aus Multispektralanalyse und Zwischen-/Untersaat mit der DJI Agras T50 zeigte.

Fragen zu multispektraler Befliegung oder Applikationskarten für Ihren Betrieb: +49 176 41513981 · anfrage@pfalzfly.de

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